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SCM-Software auswählen: 7 Kriterien für den Mittelstand
Drei Anbieter haben präsentiert, alle drei Bestellvorschläge sahen im Termin überzeugend aus und die Funktionslisten unterscheiden sich in Nuancen. Woran soll die Entscheidung dann hängen? Nicht an dem, was die Systeme können, sondern daran, wie viel Ihr Disponent danach noch von Hand nachrechnet. Sichtbar wird das nicht am Musterartikel des Anbieters, sondern an einem eigenen Artikel sowie den richtigen Fragestellungen. Dieser Artikel liefert sieben Kriterien für den nächsten Anbietertermin und beschreibt zu jeder, woran Sie die richtige SCM-Lösung für ihr Unternehmen erkennen.

Laut einer Bitkom-Befragung vom März 2026 setzen 41 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten Künstliche Intelligenz ein, weitere 48 Prozent planen oder diskutieren den Einsatz. In derselben Erhebung nennen 43 Prozent der befragten Unternehmen allerdings einen Mangel an marktfähigen Lösungen als Hürde der Digitalisierung. Das ist die Lage, in der eine Softwareauswahl heute stattfindet: Am Angebot fehlt es nicht, an der Unterscheidbarkeit und Praxistauglichkeit schon. Ob überhaupt eine spezialisierte Lösung nötig ist oder das ERP-Planungsmodul genügt, ist eine eigene Frage und an anderer Stelle beantwortet. Dieser Artikel setzt eine Stufe später an, bei den sieben Fragen, mit denen Sie im laufenden Auswahlprozess die Anbieter auseinanderhalten.
Warum ein Funktionsvergleich bei SCM-Software keine Aussagekraft hat
Die Funktionsliste wird vom Anbieter erstellt und sie liefert Überblick über den Zustand und die Features der Software. Entscheidend ist vielmehr die Anwendung im Betrieb. Und dort wirken zwei Größen, die in keiner Liste stehen: die Beschaffenheit Ihrer eigenen Daten und der manuelle Aufwand, der nach dem Go-live entsteht.
Auf der Folie können alle Anbieter dasselbe
Prognose auf Artikelebene, Saisonalität, Sicherheitsbestand, Bestellvorschlag, ERP-Anbindung. Diese fünf Punkte stehen bei jedem ernstzunehmenden Anbieter auf der Folie und ein „Check-the-box“-Vergleich produziert deshalb überall Häkchen. Eine Funktionsliste beantwortet, ob ein System etwas kann. Ihr Betrieb fragt, wie gut es das mit Ihren Daten kann.
Der Unterschied wird sichtbar, sobald Sie den Musterartikel des Anbieters durch einen eigenen ersetzen. Nehmen Sie einen Artikel, der im letzten Sommer drei Wochen nicht lieferbar war, dessen Lieferant eine Bestelleinheit von 24 Stück und eine Mindestbestellmenge von 240 Stück führt und nur dienstags liefert. Zwei Systeme, die im Standard-Demo identisch aussahen, liefern bei diesem Artikel unterschiedliche Mengen. Warum sie das tun, ist die eigentliche Information aus dem Termin und der Punkt, an dem sich die Frage nach dem Mehrwert einer KI-gestützten Absatzprognose (https://circly.at/wissen/ki-absatzprognose-mehrwert-hype-mittelstand) konkret beantworten lässt.
Prüffrage: Haben Sie in einem Anbietertermin schon einmal einen Artikel aus Ihrem eigenen Sortiment vorgegeben, statt den Musterartikel des Anbieters zu sehen?
Die Kosten entstehen nach dem Go-live, nicht im Lizenzvertrag
Ein Vergleich konzentriert sich häufig auf Lizenz und Einführung, weil beides im Angebot beziffert ist. Der laufende Aufwand steht dort nicht und taucht deshalb nicht auf.
Er besteht aus vier Aufgaben: der Parameterpflege, der Korrektur einzelner Vorschläge, der Nacharbeit an der Schnittstelle nach einem ERP-Update und der Einarbeitung bei Personalwechsel. Keiner davon ist spektakulär. Zusammen entscheiden sie allerdings darüber, ob das System nach einem Jahr noch benutzt wird.
Der Einwand, dass sich laufender Aufwand vor der Einführung nicht seriös schätzen lässt, ist berechtigt. Deshalb geht es im Folgenden auch nicht um Schätzungen, sondern um Fragen, deren Antwort ein Anbieter entweder kennt oder nicht kennt. Die BCG-Analyse zur Supply-Chain-Planung 2026 argumentiert in dieselbe Richtung: Über den Nutzen eines eingeführten Planungssystems entscheiden Prozessreife, Datenfundament und Betriebsmodell, nicht der Funktionsumfang der Software.
Prüffrage: Wissen Sie, wie viele Stunden pro Woche Ihr heutiger Dispositionsprozess an Nacharbeit erzeugt?

Vier Kriterien, die über die Qualität des Bestellvorschlags entscheiden
Jedes der folgenden vier Kriterien lässt sich in einem Anbietertermin an einem einzigen Artikel aus Ihrem Sortiment überprüfen und keines davon steht auf einer Funktionsliste. Sie betreffen die Bestellvorschlagsseite der Auswahl. Die Prognoseseite mit Prognoseverfahren, Methodenwahl und kollaborativer Planung ist wiederum in den Auswahlkriterien für Demand-Planning-Software behandelt.
Kriterium 1: Was macht das System mit den Wochen, die nicht normal waren?
Jede Absatzhistorie enthält Wochen, die sich außerhalb der Norm bewegen. Im Geschäft mit schnelldrehenden Konsumgütern gibt es zwei Sorten davon und sie ziehen in entgegengesetzte Richtungen.
Die erste ist die Fehlmengenperiode, in der ein Artikel nicht lieferbar war. Im ERP steht für diese Wochen ein Absatz von null, obwohl Bedarf bestand. Trapero, Holgado de Frutos und Pedregal beschreiben diesen Fall 2024 im International Journal of Forecasting. Wo eine Nachfrage nicht nachbestellt wird, sondern verloren geht, beobachtet das System nur den Verkauf, nicht die Nachfrage. Prognosemodelle müssen deshalb mit geschätzten, sogenannten zensierten Nachfragewerten arbeiten. Wer die Null als Nachfrage verarbeitet, prognostiziert zu niedrig und erzeugt die nächste Fehlmenge. Das folgt unmittelbar aus der Definition der Periode.
Die zweite ist die Aktionsperiode. Ein Artikel lief zwei Wochen zu Aktionskonditionen, der verbuchte Absatz liegt deutlich über dem Grundbedarf. Wer diese Wochen als normalen Bedarf verarbeitet, hebt die Prognose danach an und bestellt in einen Bedarf hinein, den es nicht mehr gibt. Bei Sortimenten mit regelmäßigem Aktionsgeschäft ist das kein Ausreißer, sondern ein wiederkehrender Teil der Zeitreihe. Wie Aktionen prognostiziert werden, ist in der Abbildung von Promotions beschrieben. Beide Verzerrungen stehen in derselben Reihe und heben sich nicht auf.
Die Frage an den Anbieter lautet also: „Was macht Ihr System mit den Wochen, in denen ein Artikel nicht lieferbar war, und mit den Wochen, in denen er in einer Aktion lief?" Gut ist die Antwort, wenn der Anbieter beide Fragen kennt und für beide Periodenarten eine eigene Behandlung beschreibt. Eine Rückfrage ist selbst schon die Antwort.
Voraussetzung ist, dass beide Periodenarten in Ihrem ERP erkennbar sind. Die wichtige Unterscheidung dabei: Ein Aktionskennzeichen entsteht als Nebenprodukt der Abrechnung, ein Fehlmengenkennzeichen nur, wenn es jemand bewusst erfasst, weil eine ausgebliebene Lieferung keinen Buchungsvorgang auslöst. Fehlt beides, ist das eine Hausaufgabe vor der Auswahl. Welche Datengrundlage eine Prognose braucht, ist gesondert ausgeführt.
Prüffrage: Können Sie in Ihrem ERP für einen beliebigen Artikel nachsehen, in welchen Wochen des letzten Jahres er nicht lieferbar war und in welchen er in einer Aktion lief?
Kriterium 2: Auf welchem Datenstand basiert der Vorschlag, den Ihr Disponent morgens öffnet?
Jeder Anbieter sagt zu, mit aktuellen Daten zu arbeiten. Die Zusage allein sagt nichts, solange offen bleibt, wann Bestand, Absatz und offene Bestellungen zuletzt aus dem ERP geholt wurden und wodurch dieser Abruf ausgelöst wird. Gefragt ist nicht die Aktualität als Eigenschaft der Software, sondern der Weg, auf dem die Daten hereinkommen und der Takt, in dem das geschieht.
Für diesen Weg gibt es drei Ausprägungen, ohne dass eine davon per se besser wäre: der automatisierte Abruf über eine Programmierschnittstelle (API), der dateibasierte Austausch in einem festen Rhythmus und der manuelle Export durch eine Person. Der Unterschied wirkt dort, wo sich die Lage schnell ändert. Bei Artikeln, die sich in Tagen und nicht in Monaten drehen, ist ein Bestand von vorgestern eine andere Ausgangslage als einer von heute Morgen. Bei den langsam drehenden Artikeln desselben Sortiments fällt er kaum ins Gewicht.
Ein täglicher Rhythmus ist also nicht automatisch besser. Er ist es dann, wenn sich Absatz, Bestand und Lieferzeiten innerhalb weniger Tage relevant verändern. Wo das nicht zutrifft, erzeugt er Last ohne Gegenwert. Ein manueller Export ist zudem keine technische Eigenschaft, sondern eine wiederkehrende Aufgabe für eine bestimmte Person. Fällt sie aus, rechnet der Bestellvorschlag auf altem Stand weiter und es fällt niemandem auf, bis eine Menge sichtbar falsch ist.
Prüffrage: Von wann stammt der Bestand, auf dem der Bestellvorschlag von heute Morgen rechnet, und wer oder was hat diesen Datenstand geliefert?
Kriterium 3: Sind die Lieferantenrestriktionen in der vorgeschlagenen Menge schon verrechnet?
Das Kriterium klingt technisch und unspektakulär, betrifft aber jede einzelne vorgeschlagene Menge. Zu den Lieferantenrestriktionen zählen Mindestbestellmenge, Bestelleinheit, Mindestbestellwert, Gewichts- oder Volumengrenze, feste Liefertage und der Lieferrhythmus.
Eine rechnerisch optimale Menge, die der Lieferant so nicht liefert, ist kein Vorschlag. Sie ist eine Rechenaufgabe für den Disponenten. Wenn er jede Menge gegen die Konditionen prüft und aufrundet, hat er die Arbeit nicht abgegeben, sondern nur verschoben.
Kritisch wird es, sobald mehrere Restriktionen gleichzeitig greifen. Die Aufrundung auf eine volle Lage kann den Bedarf deutlich übersteigen, ohne dass der Mindestbestellwert damit erreicht wäre. Werden dafür mehrere Artikel zu einer Lieferung zusammengefasst, kann die Gewichtsgrenze überschritten werden. Ein Liefertag am Dienstag verschiebt die ganze Rechnung, wenn der Meldebestand am Mittwoch erreicht wird. Diese Größen muss das System gemeinsam auflösen und nicht nacheinander. Wie stark eine einzelne Mindestbestellmenge den Bestand verzerren kann, ist in der Wirkung von Mindestbestellmengen auf den Bestellvorschlag beschrieben.
Für den Demo-Termin folgt daraus eine konkrete Handlung. Fragen Sie nicht, ob das System Mindestbestellmengen kann. Geben Sie einen Artikel vor, bei dem mehrere Restriktionen gleichzeitig wirksam sind und lassen Sie die Menge nachrechnen. Der Anbieter zeigt es an diesem Artikel oder er zeigt es nicht.
Prüffrage: Wie viele Ihrer Lieferanten haben gleichzeitig eine Mindestbestellmenge, einen Mindestbestellwert und feste Liefertage?
Kriterium 4: Lässt sich die vorgeschlagene Menge auf Artikelebene begründen?
Hier geht es um die Begründung der Bestellmenge, nicht um die der Prognose. Die Mindestanforderung lautet, dass Bestand, Reichweite, offene Bestellungen, Lieferzeit, zugrunde liegende Prognose und wirksame Restriktionen je Artikel einzeln sichtbar sind.
Bei Artikeln mit begrenzter Restlaufzeit wiegt das besonders schwer. Eine zu hohe Menge bindet dort nicht nur Kapital, sie kann zu Abschriften führen.
Warum das über den Erfolg entscheidet, lässt sich verhaltenswissenschaftlich einordnen. Dietvorst, Simmons und Massey haben 2015 im Journal of Experimental Psychology gezeigt, dass Menschen algorithmische Prognosen nach einem beobachteten Fehler seltener nutzen, selbst wenn der Algorithmus insgesamt besser abschneidet als sie (Algorithm Aversion).
Übertragen auf die Disposition: Eine Menge, die der Disponent nicht prüfen kann, wird er korrigieren, sobald er einmal einen Fehler gesehen hat. Korrigiert er dauerhaft, ist die Einführung wirtschaftlich gescheitert, auch wenn das System technisch läuft. Sein Widerstand ist keine Sturheit, sondern die verantwortbare Reaktion auf eine Zahl ohne Begründung. Dieselbe Logik trägt die Frage, wann einem Bestellvorschlag zu trauen ist.
Die Prüfhandlung im Termin ist einfach: einen Artikel wählen und um die Herleitung bitten. Muss dafür jemand aus dem Anbieterteam in ein anderes System schauen, ist die Antwort für den Alltag Ihres Disponenten unbrauchbar.
Prüffrage: Könnte Ihr Disponent einem Kollegen in zwei Sätzen erklären, warum das System heute genau diese Menge vorschlägt?
Drei Kriterien, die im Verkaufsgespräch nicht vorkommen und nach dem Go-live entscheiden
Die ersten vier Kriterien lassen sich in einer Demo prüfen. Die folgenden drei nicht, weil sie den Betrieb betreffen und nicht das Produkt. Eine Demo zeigt das Produkt, und deshalb bleiben diese drei Fragen dort unbeantwortet, obwohl sie darüber entscheiden, ob das System in zwölf Monaten noch benutzt wird. Es sind keine gleichwertigen Optionen, sondern drei Fragen in dieser Reihenfolge.
Kriterium 5: Wer pflegt die Dispositionsparameter in zwölf Monaten?
Dispositionsparameter sind die im System hinterlegten Steuergrößen je Artikel: Sicherheitsbestand, Meldebestand, Wiederbeschaffungszeit, Servicegrad und Losgröße. Sie hängen zusammen und lassen sich nicht einzeln verstellen, ohne die anderen mitzudenken. Silver, Pyke und Thomas haben diesen Zusammenhang in Inventory and Production Management in Supply Chains dokumentiert.
Das Muster dahinter trägt den Namen Parameterdrift: Die Werte werden bei der Systemeinführung einmal gesetzt und danach nicht mehr angefasst, während sich die Wirklichkeit weiterbewegt. Wiederbeschaffungszeiten verändern sich über das Jahr, Feiertage und Brückentage verschieben sich jährlich, Artikel wechseln zwischen Schnell- und Langsamdrehern. Das Fraunhofer IML führt aus, dass Sicherheitsbestand, Meldebestand und Bestellrhythmus kurzzyklisch angepasst gehören, statt als Jahreswert zu stehen. Für die Prognose gilt dasselbe: Auswahl und Parametrierung bestimmen die erreichbare Genauigkeit und Schnelldreher, Langsamdreher und Saisonartikel brauchen unterschiedliche Verfahren. Welche Dispositionsparameter einen Bestellvorschlag ruinieren und wie sich ein Meldebestand dynamisch statt statisch führen lässt, ist jeweils gesondert beschrieben.
Deshalb gehört die Frage in die Auswahl. Ein System, das die Parameter laufend aus den Daten neu berechnet, stellt eine andere Betriebsanforderung als eines, in dem sie hinterlegt und von Hand gepflegt werden. Beides ist vertretbar. Nicht vertretbar ist, den Unterschied erst nach der Einführung zu bemerken.
Die Frage lautet wörtlich: „Wer aktualisiert Sicherheitsbestand, Wiederbeschaffungszeit und Meldebestand in zwölf Monaten, und in welchem Rhythmus?" Eine gute Antwort nennt eine Zuständigkeit und einen Rhythmus. Die Antwort, das richte man gemeinsam ein, beschreibt den Startzustand und nicht den Betrieb.
Prüffrage: Wann wurde der Sicherheitsbestand Ihrer A-Artikel zuletzt neu berechnet und von wem?
Kriterium 6: Wie wird aus dem freigegebenen Vorschlag eine Bestellung?
Rückschreiben bezeichnet den Vorgang, bei dem die freigegebene Menge aus der Planungssoftware als Bestellung im ERP angelegt wird. Das klingt technisch, ist aber eine Prozessfrage.
Wird die Menge im ERP erneut eingetippt, entsteht bei jeder Bestellung eine zweite Fehlerquelle und die Zeitersparnis wird am letzten Schritt aufgebraucht. Wer täglich oder mehrmals wöchentlich bei denselben Lieferanten bestellt, multipliziert diesen Zwischenschritt mit der Zahl der Bestellungen. Er kostet nicht nur einmal Zeit, sondern jede Woche aufs Neue.
Drei Punkte sind konkret zu klären: Wird die Bestellung im ERP angelegt oder nur exportiert? Was geschieht mit Änderungen, die der Disponent im Freigabeschritt vornimmt? Und wer pflegt die Schnittstelle nach einem ERP-Update, der Anbieter oder Ihr Unternehmen? Der dritte Punkt entscheidet über die laufenden Kosten der Anbindung und gehört deshalb in die Auswahl. Worauf es bei der Verknüpfung von ERP und SCM-Software sonst noch ankommt, wird gesondert erklärt.
Prüffrage: Wie viele Klicks liegen zwischen dem freigegebenen Vorschlag und der Bestellung beim Lieferanten?
Kriterium 7: Wer betreibt das System heute in vergleichbarer Struktur?
Die Frage ist keine allgemeine Referenzanfrage. Sie zielt auf vier Merkmale: vergleichbares ERP, vergleichbare Sortimentsbreite, vergleichbare Größe des Dispositionsteams und eine vergleichbare Sortimentsstruktur, also ähnlicher Aktionsanteil und ähnlicher Anteil kurzlebiger Artikel.
Die Präzision zählt, weil ein System, das bei einem Konzern mit eigener Planungsabteilung läuft, wenig über einen Betrieb aussagt, in dem zwei Personen die Disposition machen. Der Unterschied liegt nicht in der Software, sondern darin, wer sie bedient. Referenzen sind vom Anbieter ausgewählt und deshalb positiv verzerrt. Ihr Wert liegt nicht im Urteil des Referenzkunden, sondern in den Details: wie lange die Einführung gedauert hat, was im ersten halben Jahr hakte und wer heute die Parameter pflegt.
Prüffrage: Hat Ihnen ein Anbieter bisher ein Gespräch mit einem Betrieb Ihrer Größe und Ihres ERP-Systems angeboten, ohne dass Sie danach fragen mussten?
Wie Circly diese sieben Punkte beantwortet
Circly zieht täglich über eine Schnittstelle die aktuellen Verkaufsdaten aus dem bestehenden ERP und berechnet daraus Absatzprognosen auf Artikelebene, wobei Fehlbestandsperioden in der Historie gesondert behandelt und nicht als Nachfrage von null gewertet werden. Prognose, Lagerbestand, Lieferzeit, Sicherheitsbestand, offene Bestellungen und Lieferantenrestriktionen wie Mindestbestellmenge, Bestelleinheit, Mindestbestellwert und Lieferrhythmus führt das System zu einer Bestellmenge zusammen. Jede Empfehlung ist auf Artikelebene einsehbar begründet. Der Disponent prüft, passt an und gibt frei. Keine Bestellung verlässt das System ohne seine ausdrückliche Bestätigung. Wenn Sie diese sieben Fragen an uns stellen möchten, buchen Sie gerne einen Termin mit einem unserer Experten.
Fazit
Die sieben Kriterien sind keine Liste zum Abhaken, sondern eine Reihenfolge. Die ersten vier entscheiden darüber, ob die letzten drei überhaupt relevant werden.
Solange Ihre Absatzhistorie Fehlmengen- und Aktionswochen nicht erkennbar macht, bewertet jede Demo ein System auf einer Grundlage, die es im Betrieb nicht vorfindet. Steht diese Grundlage, lassen sich die vier Vorschlagskriterien an einem einzigen eigenen Artikel prüfen, in jedem Termin am selben. Erst danach lohnen sich die Fragen nach Parameterpflege, Rückschreiben und Referenzen, weil sie nicht mehr über die Auswahl entscheiden, sondern über die Einführung.
Die Auswahl von SCM-Software scheitert selten an der Software. Sie scheitert daran, dass in drei Terminen drei verschiedene Musterartikel gezeigt werden und niemand dieselbe Rechnung zweimal gesehen hat. Nehmen Sie einen eigenen Artikel mit, einen, der zuletzt nicht lieferbar war und dessen Lieferant eine Mindestbestellmenge hat. Diesen legen Sie jedem Anbieter vor.
Weiterführende Quellen
Bitkom (2026): Digitalisierung der Wirtschaft: Fast jedes Unternehmen beschäftigt sich mit KI
Fraunhofer IML: Optimierung der Bedarfsprognose, Fachseite ohne Jahresangabe
BCG (2026): Supply Chain Planning 2026: Why AI Alone Isn't Enough
FAQ
Welche Kriterien entscheiden bei der Auswahl von SCM-Software im Mittelstand?
Sieben Kriterien in zwei Gruppen. Vier betreffen die Qualität jedes einzelnen Bestellvorschlags und lassen sich in einer Demo prüfen: der Umgang mit Fehlmengen- und Aktionswochen in der Historie, die Aktualität der Datenbasis, die Verrechnung der Lieferantenrestriktionen und die Begründbarkeit der Menge auf Artikelebene. Drei betreffen den Betrieb nach der Einführung: die Pflege der Dispositionsparameter, der Weg vom freigegebenen Vorschlag zur Bestellung im ERP und Referenzen in vergleichbarer Struktur.
Was ist SCM-Software im Bereich Disposition und Bestellvorschlag?
Supply Chain Management Software ist ein Sammelbegriff für Systeme, die Planungs- und Dispositionsaufgaben entlang der Lieferkette unterstützen. Im Mittelstand ist der genutzte Umfang meist auf Bedarfsplanung, Bestandsführung und Bestellvorschlag begrenzt. Dieser Artikel behandelt ausschließlich diesen Dispositionsteil, nicht Transport, Lagerverwaltung oder Beschaffungsmarktanalyse.
Warum ist der Umgang mit Fehlmengen- und Aktionswochen ein Auswahlkriterium?
Weil beide Periodenarten die Absatzhistorie verzerren, aus der jede weitere Rechnung entsteht. In einer Fehlmengenwoche steht ein Absatz von null, obwohl Bedarf bestand. In einer Aktionswoche liegt der Absatz über dem Grundbedarf. Ein System, das beide Periodenarten wie normale Wochen verarbeitet, rechnet auf einer Grundlage, die den tatsächlichen Bedarf nicht abbildet.
Was sind Lieferantenrestriktionen und warum gehören sie in die vorgeschlagene Menge?
Lieferantenrestriktionen sind Vorgaben, die die bestellbare Menge begrenzen: Mindestbestellmenge, Bestelleinheit, Mindestbestellwert, Gewichts- und Volumengrenzen, feste Liefertage und Lieferrhythmus. Sind sie nicht bereits in der vorgeschlagenen Menge verrechnet, muss der Disponent jede Menge gegen die Konditionen prüfen und anpassen. Die Arbeit ist dann nicht abgegeben, sondern verschoben.
Woran erkenne ich in einer Demo, ob ein Bestellvorschlag im Alltag trägt?
Indem Sie den Musterartikel des Anbieters durch einen eigenen ersetzen. Geeignet ist ein Artikel, der zuletzt eine Zeit lang nicht lieferbar war, dessen Lieferant mehrere Restriktionen gleichzeitig führt und der in einer Aktion lief. Lassen Sie die vorgeschlagene Menge an diesem Artikel herleiten. Denselben Artikel legen Sie jedem Anbieter vor, sonst sind die Termine nicht vergleichbar.
Wer pflegt die Dispositionsparameter nach der Einführung?
Das ist die Frage, die vor der Unterschrift zu klären ist. Manche Systeme berechnen Sicherheitsbestand, Meldebestand und Wiederbeschaffungszeit laufend aus den Daten neu, bei anderen bleiben die Werte hinterlegt und müssen von Hand gepflegt werden. Beides ist vertretbar, erzeugt aber unterschiedlichen Betriebsaufwand. Eine belastbare Antwort nennt eine Zuständigkeit und einen Rhythmus.
