Blogartikel

Letzte Änderung am

Mindestbestellmenge (MOQ): Bedeutung und Bestandsfolgen

Mindestbestellmengen sind eine Lieferantenrealität, aber kein Dispositionsprinzip. Wer sie ungeprüft in den Bestellvorschlag übernimmt, baut systematisch Überbestand auf oder verfälscht den Bestellrhythmus. Besonders bei C-Artikeln und Langsamdrehern entsteht so gebundenes Kapital ohne Gegenwert. Dieser Artikel zeigt, welche Verzerrungen MOQs erzeugen, und welche Methoden helfen, Lieferantenvorgaben zu erfüllen, ohne den Bestand zu beschädigen.

Mann mit Kaffeetasse am Schreibtisch vor einem Laptop in einem hellen Büro.

Die Mindestbestellmenge, englisch Minimum Order Quantity (MOQ), ist die kleinste Menge, die ein Lieferant je Artikel oder je Lieferung annimmt. Der Lieferant legt sie fest, etwa um seine Kommissionier- und Transportkosten zu decken; wer weniger bestellt, zahlt oft einen Mindermengenaufschlag. Für die Disposition wird die MOQ zum Problem, wenn sie über dem Bedarf des Artikels liegt: Verkauft ein Artikel 10 Stück im Monat und verlangt der Lieferant 200, reicht eine einzige Bestellung 20 Monate. Dieser Beitrag zeigt, was das an Bestand und Kosten verursacht, warum die üblichen Behelfe das Problem nur verschieben und welche drei Schritte den Schaden begrenzen.

Was ist eine Mindestbestellmenge (MOQ)?

Die Abkürzung MOQ steht für Minimum Order Quantity. Im Einkauf begegnen einem neben der Mindestbestellmenge drei verwandte Lieferantenvorgaben, die oft verwechselt werden:

Begriff

Bedeutung

Beispiel

Mindestbestellmenge (MOQ)

kleinste Stückzahl je Artikel oder Lieferung

mindestens 200 Stück je Bestellung

Mindestbestellwert

kleinster Warenwert je Bestellung, verteilbar auf mehrere Artikel

mindestens 2.000 Euro je Bestellung

Bestelleinheit (BOQ)

Menge, in deren Vielfachen bestellt werden muss

nur ganze Kartons zu 12 Stück

Mindermengenaufschlag

Preiszuschlag, wenn die Mindestmenge unterschritten wird

Aufschlag je Bestellung unter 200 Stück

Ob eine MOQ zum Problem wird, hängt nicht von ihrer Höhe ab, sondern davon, wie lange die bestellte Menge reicht. Die Reichweite ist die MOQ geteilt durch den Bedarf je Periode; wie man sie berechnet, zeigt der Artikel zur Lagerreichweite.

Welchen Schaden eine zu hohe Mindestbestellmenge im Bestellvorschlag anrichtet 

MOQs sind nicht per se das Problem. Das Problem entsteht, wenn sie unkritisch als Dispositionsgrundlage übernommen werden, ohne Prüfung, ob sie zur Nachfragesituation des Artikels passen. Drei Wirkungsmuster zeigen, wie die Übernahme typischerweise schiefgeht. 

Langsamdreher: Wo MOQs den größten Schaden anrichten

Bei Schnelldrehern ist eine MOQ selten ein Problem. Eine Mindestbestellmenge von 500 Einheiten bei einem Verbrauch von 600 Einheiten pro Woche bedeutet weniger als eine Woche Lagerreichweite. Bei Langsamdrehern mit einem Absatz im einstelligen oder niedrigen zweistelligen Bereich pro Monat kippt das Verhältnis: Eine MOQ, die in absoluten Zahlen ähnlich aussieht, reicht hier Monate. Das hängt an der Stückzahl, nicht an der ABC-Klasse. Die ABC-Analyse ordnet Artikel nach ihrem Wertbeitrag; ein teurer Langsamdreher kann A-Artikel sein. Landet ein Langsamdreher in C, fällt sein MOQ-Bestand besonders wenig auf, weil er im Wert gering ist.

Ein Rechenbeispiel: Ein Langsamdreher verkauft 10 Stück pro Monat. Der Lieferant fordert eine MOQ von 200 Stück. Aus dieser einen Bestellung entsteht eine Lagerreichweite von zwanzig Monaten. Was das kostet, zeigt eine Vergleichsrechnung. Die Kostenannahmen stammen aus dem Artikel zur optimalen Bestellmenge: 50 Euro Kosten je Bestellung, 10 Euro Einstandspreis, 20 Prozent Lagerhaltungskostensatz, also 2 Euro Lagerkosten je Stück und Jahr. Der Jahresbedarf ist der des Langsamdrehers, 120 Stück statt 2.400 im Beispiel dort. Alle Werte sind gewählt. Das Modell setzt gleichmäßigen Bedarf, unveränderte Kosten und Ware voraus, die länger hält, als sie auf Lager liegt. Damit liegt die optimale Bestellmenge bei rund 77 Stück.

Bestellmenge

Bestellungen je Jahr

Bestellkosten

Lagerkosten

Summe

Reichweite

im Mittel gebunden

77 (optimal)

1,6

78 €

77 €

155 €

7,7 Monate

385 €

200 (MOQ)

0,6

30 €

200 €

230 €

20 Monate

1.000 €

Die MOQ kostet diesen Artikel rund 75 Euro im Jahr mehr, knapp die Hälfte, und bindet im Mittel mehr als doppelt so viel Kapital. Klein ist das nur auf den ersten Blick: Der Betrag fällt bei jedem Langsamdreher mit demselben Muster an, und keiner davon ist groß genug, um im Reporting aufzufallen. Ist die nutzbare Restlaufzeit kürzer als die 20 Monate, reicht die Rechnung nicht: Dann kommt die Abschrift der Ware hinzu, die bis dahin nicht verkauft ist.

Die Prüffrage für die Disposition lautet daher: Kennen Sie die Lagerreichweite Ihrer Langsamdreher mit den höchsten MOQs in Wochen oder Monaten? Wenn die Antwort nicht klar formuliert werden kann, liegt hier mit hoher Wahrscheinlichkeit gebundenes Kapital, das im Reporting nicht auffällt, weil keine einzelne Position groß genug ist, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Veraltete MOQ im ERP: Die stille Überbestellung 

Das zweite Wirkungsmuster ist tückischer, weil es niemand aktiv verursacht. Lieferantenkonditionen ändern sich. Ein Lieferant, der vor drei Jahren eine MOQ von 500 Stück hatte, fordert heute vielleicht nur noch 200. Im ERP steht aber weiter der alte Wert. Niemand hat ihn aktualisiert, weil der Lieferant die Senkung nicht aktiv mitgeteilt hat oder weil die Stammdatenpflege keine regelmäßige MOQ-Prüfung vorsieht. Welche Parameter auf dieselbe Weise veralten, zeigt der Artikel zu Dispositionsparametern. 

Die Folge ist eine systematische Überbestellung, die sich nicht im Tagesgeschäft, sondern erst in der Bestandsbilanz zeigt. Das System tut, was es soll: Es bestellt entsprechend der hinterlegten Parameter. Dass diese Parameter nicht mehr stimmen, weiß es nicht. Der Disponent merkt es ebenfalls nicht, weil der Bestellvorschlag rechnerisch korrekt aussieht. 

Eine Prüffrage, die sich jeder Einkaufsleiter stellen sollte: Wann haben Sie zuletzt einen systematischen Abgleich der MOQ-Werte im ERP mit den aktuellen Lieferantenkonditionen durchgeführt?

MOQ verlängert den Bestellabstand: Ware liegt länger

Das dritte Wirkungsmuster betrifft das Bestelltiming. Liegt die optimale Bestellmenge unterhalb der MOQ, dehnt sich automatisch das Bestellintervall aus. Bei 20 Stück Absatz je Woche heißt das: Wer 200 Stück bestellt, obwohl 60 ausreichen würden, bestellt nicht alle drei Wochen, sondern alle zehn Wochen. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine Verbesserung, weniger Bestellaufwand, weniger Bestellkosten.

Das Risiko liegt woanders, als man vermutet. Der Sicherheitsbestand deckt die Schwankung des Bedarfs bis zur nächsten möglichen Lieferung ab: beim Bestellpunktverfahren über die Wiederbeschaffungszeit, bei Bestellungen in festem Rhythmus zusätzlich über das Intervall bis zur nächsten Prüfung. Beim Bestellpunktverfahren bedeuten seltenere Bestellungen sogar weniger Zyklen, in denen eine Fehlmenge entstehen kann. Der zusätzliche Bestand aus dem großen Los kann eine Nachfragespitze zwar abfedern, ist aber kein gezielt bemessener Sicherheitsbestand: Er schrumpft mit jedem Verkauf und ist kurz vor der nächsten Lieferung aufgebraucht. Dafür liegt er länger auf Lager. Bei Artikeln mit begrenzter Restlaufzeit steigt damit das Risiko, dass ein Teil abgeschrieben werden muss, bevor er verkauft ist. Wie MOQ und Sicherheitsbestand getrennt zu betrachten sind, zeigt der Artikel zum Sicherheitsbestand. Die Prüffrage: Ist die Reichweite der MOQ kürzer als die Restlaufzeit, mit der die Ware ankommt?

Bestandsverlauf zweier Bestellmengen bei gleichem Bedarf: Links kleine Lose und niedriger mittlerer Bestand, rechts große Lose durch die Mindestbestellmenge und ein deutlich höherer mittlerer Bestand; der Sicherheitsbestand ist in beiden Fällen gleich.

Warum gängige Annäherungen das MOQ-Problem nur verschieben 

Drei Behelfsstrategien begegnen einem in der Praxis immer wieder, wenn Disposition oder ERP auf MOQ-Konflikte stoßen. Alle drei haben einen gemeinsamen Punkt. Sie bearbeiten das Symptom, nicht die Ursache. 

Automatisches Aufrunden ohne Bestandsprüfung 

Die einfachste Lösung im ERP ist die häufigste: Liegt der berechnete Bedarf unter der MOQ, wird automatisch auf die MOQ aufgerundet. Das ist programmlogisch sauber, aber dispositionslogisch oft falsch. Das System prüft nicht, was diese aufgerundete Menge mit dem aktuellen Bestand und der aktuellen Lagerreichweite anrichtet. Wenn ein Artikel ohnehin schon eine Reichweite von zehn Monaten hat, treibt das automatische Aufrunden sie auf fünfzehn oder zwanzig Monate. Dabei gibt es eine Alternative zum Aufrunden. In einem Modell zur periodischen Bestandsprüfung wird in jeder Periode entweder nichts oder mindestens die MOQ bestellt; liegt der Bedarf darunter, kann die Menge aufgerundet oder die Bestellung auf einen späteren Termin verschoben werden.

In Summe wächst der Überbestand systematisch und still. Besonders bei C-Artikeln, die in der täglichen Aufmerksamkeit der Disposition selten ganz oben stehen, entsteht über die Jahre ein Bestand, dessen Höhe niemand aktiv beschlossen hat. Er ist das Nebenprodukt einer richtigen Programmlogik mit einer fehlenden Prüfung. 

Sicherheitsbestand erhöhen, um MOQ-Überbestand zu rechtfertigen 

Der zweite Behelf ist eleganter, aber methodisch noch fragwürdiger. Wenn die MOQ ohnehin Überbestand erzeugt, wird der Sicherheitsbestand nach oben angepasst, damit die Lagerreichweite plausibel aussieht. Aus einem MOQ-Problem wird ein Sicherheitsbestandsproblem, formal stimmt die Disposition wieder. 

Inhaltlich liegt darin eine Verschleierung, kein Lösungsansatz. Der Sicherheitsbestand soll Bedarfsschwankungen und Lieferzeitvarianz puffern, nicht eine Lieferantenregel ausgleichen. Wer ihn für letzteres verwendet, verliert den Maßstab dafür, ob er für seinen eigentlichen Zweck noch korrekt dimensioniert ist. Außerdem wächst die Kapitalbindung doppelt: einmal durch die MOQ, einmal durch den überhöhten Sicherheitsbestand, der ihren Effekt kaschiert. 

Manuelle Anpassung als Daueraufgabe der Disposition 

Der dritte Behelf liegt vollständig auf den Schultern der Disposition. Die Disponentin oder der Disponent erkennt im Bestellvorschlag, dass die berechnete Menge zu hoch ist, korrigiert sie für die anstehende Bestellung manuell nach unten und akzeptiert dabei eine Verletzung der Lieferantenregel. Beim nächsten Bestellrun wiederholt sich das Spiel, weil die ERP-Logik nicht angepasst wurde. 

Manuelle Korrektur ist nicht falsch, aber sie ist eine Brücke, kein Ziel. Solange sie das einzige Werkzeug bleibt, hängt die Bestandsqualität an der Aufmerksamkeit einzelner Personen. Wechselt diese Person, geht das Wissen verloren. Wird das Sortiment größer, skaliert die manuelle Korrektur nicht mit. Und das ERP behält weiterhin Parameter, die das System bei jedem Bestellvorschlag neu in die falsche Richtung schieben. Der eigentliche Bestellvorschlag verdient erst dann das Vertrauen der Disposition, wenn die zugrundeliegenden Parameter ihn nicht mehr in eine bekannte Verzerrung treiben. 

Drei Methoden, um Mindestbestellmengen dispositionstauglich zu machen

MOQ-Probleme lassen sich nicht durch eine einzelne Maßnahme lösen, aber durch eine Sequenz aus drei aufeinander aufbauenden Methoden begrenzen. Wer sie in dieser Reihenfolge umsetzt, hat nach jeder Stufe einen messbaren Effekt, ohne sofort die gesamte Lieferantenstruktur umstellen zu müssen. 

MOQ-Klassifizierung mit Ampellogik: Welche MOQs müssen aktiv gemanagt werden? 

Der erste Schritt trennt unproblematische von kritischen MOQs. Nicht jede Mindestbestellmenge ist gefährlich. Eine MOQ, die nur wenige Wochen reicht, bindet bei haltbarer Ware wenig zusätzliches Kapital. Erst wenn die durch die MOQ erzwungene Lagerreichweite eine Schwelle überschreitet, wird sie zum Bestandsproblem.

Eine praxistaugliche Ampellogik kombiniert ABC-Klasse und die Reichweite, die die MOQ erzwingt. Die ABC-Klasse sagt, wie viel Kapital eine Woche Reichweite bindet; deshalb sind die Schwellen für A-Artikel am engsten. Die Schwellen in der Tabelle sind Beispielwerte, keine Norm; sie werden an Sortiment, Lieferrhythmus und Haltbarkeit angepasst. Bei Artikeln mit begrenzter Restlaufzeit ist die Restlaufzeit die Obergrenze.

Klasse

unkritisch

prüfen

kritisch

A

bis 4 Wochen

4 bis 6 Wochen

über 6 Wochen

B

bis 4 Wochen

4 bis 8 Wochen

über 8 Wochen

C

bis 8 Wochen

8 bis 12 Wochen

über 12 Wochen

Kritische Artikel sind Kandidaten für eine Verhandlung oder eine Bündelung beim Lieferanten. Die Liste entsteht aus den vorhandenen ERP-Daten. Wer seine MOQ-Werte nicht aktuell kennt, beginnt mit einem Stammdatenabgleich; wie viele Werte veraltet sind, zeigt erst dieser Abgleich, und die Differenz lässt sich oft mit einer Anfrage beim Lieferanten klären.

Bestellwert-MOQ statt Mengen-MOQ: Flexibilität durch Artikelmix 

Die zweite Methode arbeitet an der Form der MOQ, nicht an ihrer Höhe. Lieferanten formulieren ihre Anforderung auf zwei Arten: als Mengen-MOQ pro Artikel oder als Bestellwert-MOQ pro Bestellung. Eine Bestellwert-MOQ verlangt einen Mindesteinkaufswert von beispielsweise 2.000 Euro pro Order, lässt aber offen, wie sich dieser Wert über die einzelnen Artikel verteilt. 

Diese Form ist deutlich dispositionsfreundlicher. Statt jeden Einzelartikel über seine MOQ heben zu müssen, lässt sich der Wert durch eine Sammelbestellung mehrerer Artikel beim selben Lieferanten erreichen. Ein C-Artikel kann darin in seiner rechnerisch optimalen Menge bestellt werden, weil ein A-Artikel den Mindestwert mit trägt. 

Voraussetzung ist, dass der Lieferant diese Form anbietet. Viele tun es, kommunizieren es aber nicht aktiv. Eine konkrete Frage in der nächsten Verhandlungsrunde reicht oft aus. Wer auf einen reinen Mengen-MOQ-Lieferanten festgelegt ist, kann immer noch über Lieferantenkonsolidierung versuchen, mehrere Artikel-MOQs in eine Sammelbestellung zu integrieren, was den Effekt zumindest teilweise erreicht. 

MOQ-Verhandlung datenbasiert vorbereiten 

Die dritte Methode ist die, die den größten Hebel hat, aber die meiste Vorbereitung verlangt. Eine MOQ ist verhandelbar, sobald die Verhandlung mit Zahlen geführt wird. Die entscheidende Zahl ist nicht die MOQ selbst, sondern die Lagerkosten, die sie pro Jahr verursacht. 

Die Berechnung folgt einem einfachen Schema. Multiplizieren Sie den Mehrbestand, den die MOQ im Mittel erzwingt, mit dem Einstandspreis und Ihrem Lagerhaltungskostensatz, also den Kosten für gebundenes Kapital, Lagerung und Schwund in Prozent des Bestandswerts. Ziehen Sie davon die Bestellkosten ab, die Sie durch seltenere Bestellungen sparen. Im Beispiel oben sind das 123 Euro mehr Lagerkosten und 48 Euro weniger Bestellkosten, netto 75 Euro im Jahr. Erst diese Nettozahl ist die Belastung, die die MOQ verursacht.

Mit dieser Zahl wird die Verhandlung zu einer anderen. Statt um Goodwill zu bitten, präsentiert der Einkauf konkrete Zahlen: Diese MOQ kostet uns X Euro pro Jahr. Die Frage an den Lieferanten lautet dann nicht mehr, ob er die MOQ senken kann, sondern in welcher Höhe seine Stückkosten-Vorteile aus der höheren MOQ wirklich liegen, gemessen am gemeinsam getragenen Schaden im Lager des Kunden.

Eine Einschränkung gilt allerdings: Nicht jede MOQ ist verhandelbar. Bei sehr kleinen Volumina, bei Artikeln aus Asien-Pazifik mit Containerlogik oder bei Spezialteilen mit eigener Produktionslosgröße liegt die MOQ in der Realität des Lieferanten und ist auch durch den besten Verhandlungsansatz nicht zu unterschreiten. In diesen Fällen bleiben nur die Klassifizierung und gegebenenfalls die Lieferantenkonsolidierung. 

Drei Schritte, mit denen Sie sofort beginnen können 

Das MOQ-Problem ist keine Frage des Willens, sondern der Methode. Wer es strukturell angehen will, kommt mit drei Schritten in dieser Reihenfolge schnell zu einem messbaren Ergebnis. 

Zuerst alle Artikel identifizieren, deren MOQ-Reichweite über der Schwelle ihrer Klasse liegt. Diese Liste ist in den meisten ERP-Systemen mit einer einzigen Auswertung verfügbar und liefert die Kandidaten für die nächsten beiden Schritte. Anschließend für jeden dieser Artikel die jährliche Lagerkostenbelastung berechnen, die durch die aktuelle MOQ entsteht. Diese Zahl ist die Verhandlungsgrundlage gegenüber dem Lieferanten und gleichzeitig die interne Argumentationsbasis für Investitionen in eine systematische Stammdatenpflege. Drittens die MOQ-Werte im ERP mit den aktuell geltenden Lieferantenkonditionen abgleichen, beginnend mit den Artikeln aus dem ersten Schritt. Erst danach lohnt es sich, in dynamische Dispositionsparameter oder erweiterte Bestellmengenmodelle zu investieren. Wer diese Reihenfolge umkehrt, kauft Werkzeuge für ein Problem, das er noch nicht quantifiziert hat.

In Circly Bestellvorschläge gilt: „Alle Lieferantenrestriktionen werden automatisch einbezogen: Mindestbestellmengen (MOQ), Bestelleinheiten (BOQ), Mindestbestellwerte, Gewichtsvorgaben, Verpackungseinheiten und Lieferzeiten je Wochentag.“ Pro Artikel sieht der Disponent dabei den aktuellen Bestand und die Reichweite, also auch, wie lange eine auf die MOQ gerundete Menge reicht, bevor er die Bestellung freigibt.


Weiterführende Quellen 

  1. Gabler Wirtschaftslexikon (2018): Mindermengenaufschlag 

  2. Gabler Wirtschaftslexikon (2018): Lagerkosten 

  3. Kiesmüller, G. P., de Kok, A. G. & Dabia, S. (2011): Single item inventory control under periodic review and a minimum order quantity, International Journal of Production Economics 133(1)

  4. Caplice, C. (2006): Inventory Management, Lecture 11, MIT OpenCourseWare ESD.260J

FAQ

Was ist eine Mindestbestellmenge (MOQ), und wer legt sie fest?

Die Mindestbestellmenge, kurz MOQ für Minimum Order Quantity, ist die kleinste Stückzahl, die ein Lieferant je Artikel oder je Lieferung akzeptiert. Ein Mindestbetrag je Bestellung heißt dagegen Mindestbestellwert. Sie wird vom Lieferanten festgelegt und ergibt sich aus dessen eigener Produktions- oder Logistiklogik, etwa aus Mindestlosgrößen in der Fertigung, Verpackungseinheiten oder Transportkostenrechnungen. Für den Kunden ist die MOQ damit eine Eingangsbedingung, keine Verhandlungsgröße im einzelnen Bestellvorgang, aber sie ist im strategischen Lieferantengespräch durchaus diskutierbar.

Was ist der Unterschied zwischen Mindestbestellmenge und Mindestbestellwert?

Eine Mindestbestellmenge verlangt eine Mindestanzahl Stück pro Artikel, also etwa 200 Einheiten eines bestimmten Produkts. Ein Mindestbestellwert verlangt einen Mindesteinkaufswert pro Bestellung, etwa 2.000 Euro, lässt aber offen, wie sich dieser Wert über die einzelnen Artikel verteilt. Mindestbestellwerte sind dispositionsfreundlicher, weil sie über einen Artikelmix erfüllt werden können, ohne dass jeder einzelne Artikel über seine eigene Mindestmenge gehoben werden muss.

Wie berechne ich, ab welcher MOQ der Überbestand zum Problem wird?

Maßstab ist die Reichweite, die die MOQ erzwingt: MOQ geteilt durch den Bedarf je Woche. Als Beispielschwellen gelten A-Artikel ab sechs, B-Artikel ab acht und C-Artikel ab zwölf Wochen als kritisch, bei begrenzter Restlaufzeit spätestens die Restlaufzeit. Die Belastung in Euro ist der Mehrbestand mal Einstandspreis mal Lagerhaltungskostensatz, abzüglich der eingesparten Bestellkosten. Diese Zahl ist die quantitative Grundlage für jede weitere Entscheidung.

Kann ich eine MOQ unterschreiten, und was passiert dann?

In der Praxis nimmt der Lieferant Bestellungen unter MOQ entweder gar nicht an, oder er verlangt einen Mindermengenaufschlag. Eine einseitige Unterschreitung ohne Absprache ist daher meist nicht praktikabel. Was funktioniert, ist eine ausdrückliche Vereinbarung mit dem Lieferanten, etwa in Form einer Bestellwert-MOQ statt einer Mengen-MOQ oder durch eine Sammelbestellung über mehrere Artikel.

Wie nutze ich MOQ-Daten für Lieferantenverhandlungen?

Die Argumentationsbasis ist die jährliche Nettobelastung je Artikel: zusätzliche Lagerkosten durch die MOQ abzüglich der eingesparten Bestellkosten, summiert über das Sortiment des Lieferanten. Diese Summe ist eine Gesprächsgrundlage, keine Rechnung über den Ausgang: Ob sich eine niedrigere MOQ für beide Seiten lohnt, hängt von den Kosten des Lieferanten und von Konditionen ab, die der Besteller nicht kennt. Sie macht aber sichtbar, worüber verhandelt wird.

Was ist die optimale Bestellmenge (EOQ), und warum weicht sie von der MOQ ab?

Die optimale Bestellmenge, kurz EOQ für Economic Order Quantity, ist die rechnerische Menge, bei der Bestellkosten und Lagerkosten zusammen am niedrigsten sind. Sie ergibt sich aus der Periodennachfrage, den Bestellfixkosten pro Order und dem Lagerkostensatz. Die EOQ ist damit die Menge, die der Kunde bestellen würde, wenn keine externen Restriktionen existierten. Die MOQ ist eine externe Restriktion. Sie ist die Untergrenze, die der Lieferant fordert. Wenn die EOQ höher liegt als die MOQ, ist die MOQ unkritisch. Wenn die EOQ unter der MOQ liegt, entsteht die in diesem Beitrag beschriebene Verzerrung.

Wie berechnet man die Mindestbestellmenge?

Eine allgemeingültige Formel für die Mindestbestellmenge gibt es nicht. Der Lieferant bestimmt sie aus seinen eigenen Kosten und Abläufen, etwa für Kommissionierung und Transport. Als Besteller berechnen Sie stattdessen, was die Vorgabe für Sie bedeutet: die Reichweite als MOQ geteilt durch den Bedarf je Periode, etwa 200 Stück bei 10 Stück im Monat gleich 20 Monate, und die Mehrkosten als jährliche Bestell- und Lagerkosten bei der MOQ minus jene bei der optimalen Bestellmenge.

Was ist der Unterschied zwischen MOQ und BOQ?

Die MOQ ist die Mindestmenge je Bestellung, die BOQ die Bestelleinheit, in deren Vielfachen bestellt werden muss, etwa nur ganze Kartons zu 12 Stück. Beide wirken zusammen: Bei einer MOQ von 200 und einer BOQ von 12 sind 204 Stück die kleinste zulässige Bestellung.

Ähnliche Artikel