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Optimale Bestellmenge: Andler-Formel (EOQ) mit Beispiel

Die optimale Bestellmenge zu berechnen ist theoretisch einfach: eine Formel, drei Eingabewerte, ein Ergebnis. In der Praxis des FMCG-Mittelstands treffen Mindestbestellmengen, Saisonalität und Staffelpreise auf eine Formel, die für gleichmäßige Nachfrage ohne Einschränkungen entwickelt wurde. Das Ergebnis: Die EOQ ist ein nützlicher Ausgangspunkt, aber selten der Endpunkt der Bestellmengenentscheidung. Dieser Artikel erklärt die Formel vollständig, benennt ihre strukturellen Grenzen und zeigt, was im Alltag stattdessen funktioniert.

Lagermitarbeiter mit Klemmbrett zwischen leeren Regalen links und vollen Palettenregalen rechts.

Die optimale Bestellmenge, auch wirtschaftliche Bestellmenge oder Economic Order Quantity (EOQ), ist die Menge je Bestellung, bei der die Summe aus Bestell- und Lagerkosten am niedrigsten ist. Berechnet wird sie mit der Andler-Formel: EOQ = √(2 × D × S / H), mit D als Jahresbedarf, S als Kosten je Bestellung und H als Lagerkosten je Stück und Jahr. Bei 2.400 Stück Jahresbedarf, 50 Euro je Bestellung und 2 Euro Lagerkosten ergibt das rund 346 Stück, also etwa sieben Bestellungen im Jahr. Im FMCG-Alltag verschieben Mindestbestellmengen, Saisonalität und Staffelpreise dieses Ergebnis; dieser Artikel zeigt Rechenweg, Kostentabelle und die vier Grenzen der Formel.

Die EOQ-Formel: wie die optimale Bestellmenge berechnet wird und was sie dafür voraussetzt

Die Economic Order Quantity (EOQ), zu Deutsch die optimale, kostenoptimale oder wirtschaftliche Bestellmenge, ist kein neues Konzept. Sie geht auf Harris (1913) zurück; im deutschen Sprachraum heißt die Formel nach Kurt Andler Andler-Formel oder Andlersche Losgrößenformel. Sie ist bis heute der methodische Ausgangspunkt für Bestellmengenentscheidungen. Sie ist die einfachste Form der Losgrößenoptimierung, also der Methoden, die Bestell- oder Produktionsmengen unter Abwägung von Bestell-, Rüst- und Lagerkosten bestimmen; im Handelskontext geht es dabei um die Bestellmenge, nicht um die Produktionsmenge; wie sich die Rechnung bei Produktionslosen mit Mindesthaltbarkeit verschiebt, zeigt der Artikel zur optimalen Losgröße. Die EOQ ist deshalb bis heute der Ausgangspunkt, weil sie die Kostenfrage präzise stellt: Wie viel kostet eine Bestellung, und wie viel kostet es, die bestellte Menge zu lagern?

Andler-Formel (EOQ): Formel und Beispielrechnung

Die EOQ bringt zwei gegenläufige Kostenarten ins Gleichgewicht. Die Bestellkosten sind die fixen Kosten je Bestellvorgang: Bearbeitungsaufwand im Einkauf, Lieferantenkoordination, Wareneingang und Rechnungsprüfung. Sie fallen pro Bestellung an, unabhängig von der Menge. Die Lagerkosten, auch Haltekosten genannt, sind die Kosten, eine Einheit über eine Periode zu lagern: Kapitalkosten, Lagerfläche, Versicherung und bei verderblichen Artikeln das Verderb-Risiko bei Überschreitung des Mindesthaltbarkeitsdatums.

Die beiden Kostenarten ziehen in entgegengesetzte Richtungen. Wer selten bestellt, spart Bestellkosten, lagert aber größere Mengen und zahlt mehr Lagerkosten. Wer oft bestellt, hält niedrige Bestände, zahlt aber häufiger die Bestellfixkosten. Die EOQ ist der Punkt, an dem beide Kosten zusammen minimal sind. Die Formel setzt gleichmäßige Nachfrage, gleichbleibende Bestell- und Lagerkosten, die Lieferung der ganzen Menge auf einmal und keine Fehlmengen voraus. Sie lautet: EOQ = √(2 × D × S / H).

Zeichen

Bedeutung

Einheit

im Beispiel

D

Jahresbedarf

Stück je Jahr

2.400

S

Bestellkosten je Bestellung (bestellfixe Kosten)

Euro

50

H

Lagerkosten je Stück und Jahr

Euro

2

Statt H wird oft der Lagerhaltungskostensatz angegeben, also die Lagerkosten in Prozent des Einstandspreises: H = Einstandspreis × Lagerhaltungskostensatz, im Beispiel 10 Euro × 20 Prozent = 2 Euro. Steht der Satz in Prozent in der Formel, rechnet die Andler-Formel mit 200 statt 2: √(200 × D × S / (Einstandspreis × Satz in Prozent)). Die 100 gleicht nur das Prozentzeichen aus; das Ergebnis bleibt 346 Stück.

Ein Beispielszenario: Ein Artikel hat einen Jahresbedarf von 2.400 Stück, die Bestellkosten liegen bei 50 Euro je Bestellung, die Lagerkosten bei 2 Euro je Stück und Jahr. Eingesetzt ergibt sich die Wurzel aus (2 mal 2.400 mal 50 geteilt durch 2), also die Wurzel aus 120.000, das sind rund 346 Stück. Bei einem Jahresbedarf von 2.400 Stück entspricht das etwa sieben Bestellungen pro Jahr. Die Bestellhäufigkeit ist Jahresbedarf geteilt durch Bestellmenge, hier 2.400 / 346 = 6,9 Bestellungen im Jahr, bei 365 Tagen also rund alle 53 Tage eine. Die Gesamtkosten je Jahr sind die Bestellkosten D / Q × S plus die Lagerkosten Q / 2 × H, weil im Mittel die halbe Bestellmenge auf Lager liegt. Die Tabelle zeigt, wie flach sie um das Optimum verlaufen:

Bestellmenge

Bestellungen je Jahr

Bestellkosten

Lagerkosten

Summe

über dem Minimum

200

12

600 €

200 €

800 €

+15,5 %

300

8

400 €

300 €

700 €

+1,0 %

346

6,9

346 €

346 €

693 €

Minimum

400

6

300 €

400 €

700 €

+1,0 %

500

4,8

240 €

500 €

740 €

+6,8 %

In Excel genügt eine Zelle: =WURZEL(2*B1*B2/B3), mit dem Jahresbedarf in B1, den Kosten je Bestellung in B2 und den Lagerkosten je Stück und Jahr in B3.

Die Prüffrage: Kennen Sie die Bestellkosten je Bestellung für Ihre wichtigsten Lieferanten, oder ist dieser Wert in Ihrem Betrieb nicht explizit erfasst?

Kurvendiagramm: Mit wachsender Bestellmenge sinken die Bestellkosten und steigen die Lagerkosten. Ihre Summe ist an der optimalen Bestellmenge am niedrigsten, wo beide gleich hoch sind, und verläuft um das Minimum flach.

Wann die EOQ gut funktioniert

Die EOQ liefert zuverlässige Ergebnisse, wenn drei Bedingungen erfüllt sind. Erstens eine stabile, gleichmäßige Nachfrage ohne ausgeprägte Saisonalität, typischerweise A-Artikel mit niedrigem Prognosefehler. Zweitens keine oder eine bekannte Mindestbestellmenge, die nahe an der errechneten EOQ liegt. Drittens explizit erfasste Bestell- und Lagerkosten, die nicht nur grob geschätzt sind.

Wo diese drei Bedingungen zusammenkommen, ist die EOQ ein solider Ausgangspunkt für den Bestellvorschlag. Sie sollte dann regelmäßig überprüft werden, als Erfahrungswert etwa je Quartal, weil sich vor allem die Lagerkosten durch Kapitalkosten- und Mietveränderungen verschieben. Eine EOQ, die auf Kostendaten von vor drei Jahren beruht, optimiert die Kosten der Vergangenheit, nicht die heutigen.

Die Prüffrage: Für welche Ihrer Artikel sind alle drei Bedingungen tatsächlich erfüllt?

Bestellpunkt und EOQ: zwei verschiedene Fragen

Ein häufiges Missverständnis vermischt zwei Konzepte, die getrennt gehören. Die EOQ beantwortet die Frage „Wie viel bestelle ich?”. Der Bestellpunkt, auch Reorder Point genannt, beantwortet die Frage „Wann bestelle ich?”. Beide sind nötig, aber sie werden unterschiedlich berechnet, und eine optimale Menge zum falschen Zeitpunkt löst das Problem nicht.

Der Bestellpunkt, auch Meldebestand genannt, ergibt sich aus dem Sicherheitsbestand plus dem durchschnittlichen Tagesverbrauch multipliziert mit der Wiederbeschaffungszeit. Er sorgt dafür, dass die Nachbestellung rechtzeitig ausgelöst wird, bevor der Bestand unter den Sicherheitspuffer fällt. Wie der Sicherheitsbestand methodisch sauber berechnet wird, behandelt der Artikel zur Sicherheitsbestandsberechnung. Die EOQ bestimmt dann, welche Menge bei Erreichen des Bestellpunkts geordert wird. Erst beide Werte zusammen ergeben eine vollständige Dispositionsregel.

Wann die EOQ-Formel in der FMCG-Praxis an ihre Grenzen stößt

Die EOQ wurde für konstante Nachfrage ohne Einschränkungen entwickelt: keine Mindestbestellmenge, keine Mengenrabatte, konstante Kosten und vollständige Kenntnis dieser Kosten. Im FMCG-Mittelstand treffen vier Realitäten auf diese Voraussetzungen und machen das rechnerische Ergebnis regelmäßig unbrauchbar. Jede dieser Grenzen hat eine konkrete Handlungsalternative.

Grenze 1: die MOQ überschreibt die EOQ

Die häufigste Praxisgrenze ist die Mindestbestellmenge (MOQ), also die vom Lieferanten vorgegebene Mindestmenge pro Bestellung. Liegt sie über der errechneten EOQ, ist die Formel praktisch irrelevant, weil der Lieferant die Entscheidung trifft. Ein Beispiel zur Illustration: Die EOQ eines Artikels liegt bei 120 Stück, der Lieferant fordert aber eine MOQ von 500 Stück. Es wird zwangsläufig zu viel bestellt.

Die Konsequenz ist Überbestand, gebundenes Kapital und erhöhte Lagerkosten, besonders schmerzhaft bei Langsamdrehern. Statt die MOQ als unveränderlich hinzunehmen, lohnt es, ihre Kosten zu quantifizieren: Die Lagerkosten des erzwungenen Überbestands über die Bestellfrequenz hochgerechnet ergeben eine konkrete Eurozahl. Diese Zahl ist die Verhandlungsgrundlage gegenüber dem Lieferanten, etwa für eine niedrigere MOQ oder eine Staffelung. Welche Verzerrungsmuster MOQs in der automatischen Disposition im Detail erzeugen, behandelt der Artikel zu Mindestbestellmengen im Bestellvorschlag.

Die Prüffrage: Bei wie vielen Ihrer A-Artikel liegt die MOQ mehr als 50 Prozent über der errechneten EOQ?

Grenze 2: Saisonalität macht die EOQ zeitabhängig

Die EOQ setzt einen konstanten Jahresbedarf voraus. Bei saisonalen Artikeln ist genau dieser Jahresbedarf irreführend, weil er über Hoch- und Nebensaison mittelt. Die optimale Bestellmenge für Juli ist eine andere als die für Januar, doch eine einheitliche EOQ kennt diesen Unterschied nicht. Sie liefert einen Mittelwert, der in beiden Perioden danebenliegt: zu niedrig im Peak, zu hoch in der Flaute.

Die Lösung ist eine saisonale EOQ, die mit dem erwarteten Periodenbedarf statt dem Jahresbedarf rechnet. Das setzt voraus, dass ein Saisonalitätsindex vorliegt, der den Periodenbedarf überhaupt beziffert. Wie dieser Index berechnet wird, behandelt der Artikel zur Saisonalität in der Prognose. Mit dem Periodenbedarf als Eingabewert D liefert die Formel dann zwei Werte: eine höhere EOQ für die Hochsaison, eine niedrigere für die Nebensaison.

Die Prüffrage: Rechnen Sie für Ihre saisonalen Artikel mit dem Jahresbedarf, oder differenzieren Sie nach Periode?

Grenze 3: Mengenrabatte verändern die Kostenstruktur

Wenn ein Lieferant Staffelpreise anbietet, verschiebt sich die Rechnung. Eine größere Bestellmenge senkt dann nicht nur über die Bestellfrequenz die Kosten, sondern auch den Stückpreis. Die günstigere Bestellmenge kann damit über der reinen EOQ liegen. Die Formel in ihrer Grundform berücksichtigt das nicht, weil sie den Einkaufspreis als konstant annimmt.

Die Erweiterung ist eine Gesamtkostenrechnung je Mengenstufe: Für jede Rabattstufe werden Bestellkosten, Lagerkosten und Einkaufskosten zusammengerechnet und verglichen. Die Mengenstufe mit den niedrigsten Gesamtkosten gewinnt, nicht automatisch die mit dem niedrigsten Stückpreis. Ein Mengenrabatt rechtfertigt den Mehrbestand nur, wenn der Preisvorteil die zusätzlichen Lagerkosten übersteigt. Im FMCG mit Artikeln, die ein Mindesthaltbarkeitsdatum haben, ist diese Rechnung besonders kritisch, weil die Lagerkosten dann auch das Verderb-Risiko enthalten. Ein Staffelpreis, der zum Abschreiben verdorbener Ware führt, ist kein Vorteil.

Die Prüffrage: Vergleichen Sie bei Staffelpreisen die Gesamtkosten je Mengenstufe, oder entscheiden Sie nach dem niedrigsten Stückpreis?

Grenze 4: unbekannte Bestellkosten, wenn ein Eingabewert fehlt

Die EOQ hat drei Eingabewerte, und einer davon fehlt in vielen Mittelstandsbetrieben: die Bestellkosten S. Sie sind selten explizit erfasst, weil sie sich aus Arbeitszeit und Prozessschritten zusammensetzen, die niemand pro Bestellung abrechnet. Ohne S gibt es keine EOQ, oder nur eine auf Basis einer Schätzung, die das Ergebnis verzerrt, weil S unter der Wurzel steht und Fehler dämpft, aber nicht beseitigt.

Die Bestellkosten umfassen die Bearbeitungszeit des Einkäufers, die Lieferantenkoordination, den Wareneingang und die Rechnungsprüfung. Eine grobe Schätzung reicht trotzdem oft, weil die Kosten um das Optimum flach verlaufen: Wer 50 Prozent mehr als die optimale Menge bestellt, zahlt laut Thonemann nur etwa 8,3 Prozent mehr Bestell- und Lagerkosten. Im Beispiel führen 75 statt 50 Euro je Bestellung zu 424 statt 346 Stück und zu rund 2 Prozent Mehrkosten. Es braucht keine aufwendige Prozesskostenrechnung: Eine einmalige Schätzung der Bestellkosten für die drei größten Lieferantengruppen reicht für eine brauchbare EOQ-Kalibrierung. Wichtig ist, dass die Schätzung dokumentiert und nachvollziehbar ist, nicht dass sie auf die zweite Nachkommastelle stimmt.

Die Prüffrage: Ist in Ihrem Betrieb erfasst, was eine einzelne Bestellung an Bearbeitungsaufwand kostet?

Optimale Bestellmenge in der Praxis: drei Schritte für eine belastbare Entscheidungsgrundlage

Die EOQ ist ein Ausgangspunkt, kein Endpunkt. Drei Schritte übersetzen die Formel in eine praxistaugliche Entscheidungsgrundlage, die MOQ, Saisonalität und unbekannte Kosten berücksichtigt. Der größte Hebel liegt nicht in der Rechengenauigkeit, sondern in der konsequenten Priorisierung nach Artikelwert.

Schritt 1: EOQ berechnen und MOQ-Konflikt prüfen

Für die A- und B-Artikel wird die EOQ nach der Formel berechnet. Anschließend folgt der Abgleich mit der MOQ. Liegt die EOQ über der MOQ, wird die EOQ als Bestellmenge verwendet, und es ist nur zu prüfen, ob sie ein Vielfaches der Liefereinheit ergibt. Liegt die EOQ unter der MOQ, entsteht der erzwungene Überbestand, dessen Kosten quantifiziert und als Verhandlungsgrundlage dokumentiert werden.

Dieser Abgleich macht sichtbar, wo die Formel überhaupt greift und wo der Lieferant die Entscheidung diktiert. Die Dokumentation des MOQ-Überbestands hat einen doppelten Nutzen: Sie liefert das Argument für Lieferantenverhandlungen und macht die Kapitalbindung im Sortiment transparent. Die Vertiefung zum MOQ-Konflikt liefert der Artikel zu Mindestbestellmengen im Bestellvorschlag.

Die Prüffrage: Ist für jeden Artikel mit MOQ-Konflikt dokumentiert, was der erzwungene Überbestand im Jahr kostet?

Schritt 2: saisonale Anpassung für Hoch- und Nebensaison

Für saisonale A-Artikel wird die EOQ nicht einmal mit dem Jahresbedarf, sondern getrennt mit dem Periodenbedarf berechnet. Das ergibt zwei Werte: eine höhere EOQ für die Hochsaison mit höherem Bedarf und eine niedrigere für die Nebensaison. So passt die Bestellmenge zur aktuellen Saisonlage, statt einen über das Jahr gemittelten Kompromiss zu liefern.

Voraussetzung ist ein vorhandener Saisonalitätsindex, der den Periodenbedarf beziffert. Wo dieser Index fehlt, ist die saisonale EOQ nicht möglich, und die Berechnung des Index ist der eigentliche erste Schritt. Den methodischen Weg dorthin beschreibt der Artikel zur Saisonalität in der Prognose. Für nicht-saisonale Artikel entfällt dieser Schritt, die Jahres-EOQ aus Schritt 1 genügt.

Schritt 3: ABC-Priorisierung, nicht für jeden Artikel EOQ berechnen

Nicht jeder Artikel rechtfertigt den Aufwand einer vollständigen EOQ-Berechnung. Die ABC-Klassifikation gibt den Rahmen vor. Für A-Artikel lohnt die vollständige Berechnung mit explizit erfassten Bestell- und Lagerkosten, mit quartalsweiser Überprüfung. Für B-Artikel reicht eine vereinfachte EOQ mit geschätzten Werten für S und H, halbjährlich überprüft. Für C-Artikel ist eine Daumenregel die vernünftigere Wahl, weil der Rechenaufwand den möglichen Nutzen übersteigt; sie werden nur bei Sortimentsveränderung angefasst. Die Prüfrhythmen sind Erfahrungswerte, keine Norm.

Diese Priorisierung verhindert den häufigsten Fehler bei der EOQ-Einführung: den Versuch, das gesamte Sortiment mit derselben Methodentiefe zu behandeln. Der Aufwand explodiert, der Nutzen konzentriert sich aber auf die wenigen umsatzstarken Artikel. Wer die EOQ-Logik anschließend in einen automatisierten Bestellvorschlag überführen will, findet die Voraussetzungen dafür im Artikel zur Automatisierung von Bestellvorschlägen. In Circly Bestellvorschläge gilt: „Alle Lieferantenrestriktionen werden automatisch einbezogen: Mindestbestellmengen (MOQ), Bestelleinheiten (BOQ), Mindestbestellwerte, Gewichtsvorgaben, Verpackungseinheiten und Lieferzeiten je Wochentag.“

Die Formel ist der Ausgangspunkt, nicht die Antwort

Die EOQ ist kein veraltetes Lehrbuchkonzept, sondern der strukturierteste Ausgangspunkt für Bestellmengenentscheidungen. Ihre Grenzen liegen nicht in der Mathematik, sondern in den Voraussetzungen, und genau das macht sie auch dort nützlich, wo die Voraussetzungen nicht stimmen: als Orientierungspunkt, von dem aus die tatsächliche Entscheidung begründet abweicht.

Drei Sofortschritte lohnen sich. Erstens die Bestellkosten für die drei größten Lieferantengruppen einmalig schätzen und dokumentieren, denn ohne diesen Wert ist keine EOQ möglich. Zweitens für die zehn umsatzstärksten Artikel die EOQ berechnen und sofort den MOQ-Konflikt prüfen. Drittens für die saisonalen Artikel unter diesen zehn die EOQ mit dem Periodenbedarf statt dem Jahresbedarf rechnen.

Wer weiß, was eine Bestellung kostet, und weiß, was es kostet, die bestellte Menge zu lagern, hat die Grundlage für eine belastbare Bestellmengenentscheidung. Die EOQ beantwortet diese Frage mathematisch präzise, solange die Voraussetzungen stimmen. Wo sie nicht stimmen, ersetzt die Formel nicht das Urteil des Disponenten, sie schärft es.


Weiterführende Quellen

  1. Gabler Wirtschaftslexikon (2018): Andler-Formel

  2. Gabler Wirtschaftslexikon (2018): optimale Bestellmenge

  3. Axsäter, S. (2015): Inventory Control, 3. Aufl., Kap. 4, Springer

  4. Thonemann, U. (o. J.): Operations Management, 3. Aufl., Kap. 5.1, Pearson, Leseprobe

FAQ

Was ist die EOQ-Formel, und wie berechne ich die optimale Bestellmenge?

Die EOQ (Economic Order Quantity) ist die kostenoptimale Bestellmenge, bei der Bestellkosten und Lagerkosten zusammen am niedrigsten sind. Die Formel lautet: EOQ = √(2 × Jahresbedarf × Bestellkosten je Bestellung / Lagerkosten je Stück und Jahr), im deutschen Sprachraum als Andler-Formel bekannt. Beispiel: Bei einem Jahresbedarf von 2.400 Stück, Bestellkosten von 50 Euro und Lagerkosten von 2 Euro je Stück ergibt sich die Wurzel aus 120.000, also rund 346 Stück pro Bestellung, was etwa sieben Bestellungen im Jahr entspricht. Die Formel funktioniert am besten bei stabiler Nachfrage und bekannten Kosten.

Was sind Bestellkosten, und wie schätze ich sie für meinen Betrieb?

Bestellkosten sind die fixen Kosten, die je Bestellvorgang anfallen, unabhängig von der Menge: Bearbeitungszeit des Einkäufers, Lieferantenkoordination, Wareneingang und Rechnungsprüfung. In vielen Mittelstandsbetrieben sind sie nicht explizit erfasst. Weil die Kosten um das Optimum flach verlaufen, genügt eine grobe Schätzung. Für eine brauchbare EOQ-Kalibrierung reicht eine einmalige Schätzung für die drei größten Lieferantengruppen. Entscheidend ist, dass die Schätzung dokumentiert und nachvollziehbar ist, nicht dass sie centgenau stimmt.

Was sind Lagerkosten, und welche Kostenarten gehören dazu?

Lagerkosten, auch Haltekosten genannt, sind die Kosten, eine Einheit über eine Periode zu lagern. Sie umfassen die Kapitalkosten des im Bestand gebundenen Geldes, die Lagerflächenkosten, Versicherung und bei verderblichen Artikeln das Verderb-Risiko bei Überschreitung des Mindesthaltbarkeitsdatums. Im FMCG-Bereich mit MHD-sensiblen Produkten ist der letzte Punkt besonders relevant, weil er die Lagerkosten deutlich erhöht. Lagerkosten werden üblicherweise als Betrag je Einheit und Jahr ausgedrückt und gehen als Wert H in die EOQ-Formel ein.

Was passiert, wenn die MOQ größer ist als die EOQ?

Dann ist die EOQ praktisch irrelevant, weil der Lieferant mit seiner Mindestbestellmenge die Entscheidung trifft. Sie müssen mehr bestellen, als die Formel als optimal ausweist, und es entsteht erzwungener Überbestand mit gebundenem Kapital und erhöhten Lagerkosten. Statt das hinzunehmen, sollten Sie die Kosten dieses Überbestands quantifizieren: die zusätzlichen Lagerkosten über die Bestellfrequenz hochgerechnet. Diese Eurozahl ist die Grundlage für eine Verhandlung mit dem Lieferanten über eine niedrigere MOQ oder eine andere Staffelung. Besonders kritisch ist der Effekt bei Langsamdrehern, wo die MOQ Lagerreichweiten von vielen Monaten erzeugt.

Wie berechne ich die optimale Bestellmenge bei saisonaler Nachfrage?

Bei saisonalen Artikeln ist der Jahresbedarf als Eingabewert irreführend, weil er über Hoch- und Nebensaison mittelt. Statt einer einheitlichen EOQ berechnen Sie zwei Werte: einen mit dem erwarteten Periodenbedarf der Hochsaison und einen mit dem der Nebensaison. So passt die Bestellmenge zur jeweiligen Saisonlage. Voraussetzung ist ein Saisonalitätsindex, der den Periodenbedarf beziffert. Ohne diesen Index ist die saisonale EOQ nicht möglich, dann ist die Berechnung des Index der eigentliche erste Schritt. Für nicht-saisonale Artikel genügt die einfache Jahres-EOQ.

Was ist der Unterschied zwischen optimaler Bestellmenge (EOQ) und Bestellpunkt (Reorder Point)?

Die beiden Konzepte beantworten unterschiedliche Fragen. Die EOQ beantwortet „Wie viel bestelle ich?", der Bestellpunkt beantwortet „Wann bestelle ich?". Der Bestellpunkt ergibt sich aus dem Sicherheitsbestand plus dem durchschnittlichen Tagesverbrauch multipliziert mit der Wiederbeschaffungszeit. Er löst die Nachbestellung rechtzeitig aus, bevor der Bestand unter den Sicherheitspuffer fällt. Die EOQ legt dann fest, welche Menge bestellt wird. Beide Werte gehören zusammen: Eine optimale Menge zum falschen Zeitpunkt erzeugt entweder Out-of-Stock oder unnötigen Bestand.

Für welche Artikel lohnt sich die EOQ-Berechnung, und für welche nicht?

Die Antwort gibt die ABC-Klassifikation. Für A-Artikel mit hohem Umsatzanteil lohnt die vollständige EOQ-Berechnung mit explizit erfassten Bestell- und Lagerkosten, überprüft im Quartalsrhythmus. Für B-Artikel reicht eine vereinfachte Berechnung mit geschätzten Werten, halbjährlich überprüft. Für C-Artikel ist der Rechenaufwand nicht gerechtfertigt, hier genügt eine Daumenregel, die nur bei Sortimentsveränderung angepasst wird. Der häufigste Fehler ist der Versuch, das gesamte Sortiment mit derselben Methodentiefe zu behandeln: Der Aufwand explodiert, während sich der Nutzen auf die wenigen umsatzstarken Artikel konzentriert.

Woher kommt die 200 in der Andler-Formel?

Die 200 entsteht, wenn die Lagerkosten als Prozentsatz des Einstandspreises eingehen. Aus 2 × D × S / (Einstandspreis × Satz / 100) wird 200 × D × S / (Einstandspreis × Satz in Prozent). Die 100 gleicht nur das Prozentzeichen aus, das Ergebnis bleibt gleich. Rechnet man mit dem Satz als Dezimalzahl oder direkt mit Lagerkosten je Stück und Jahr, steht wieder die 2 in der Formel.

Wie berechnet man die optimale Bestellhäufigkeit?

Die optimale Bestellhäufigkeit ist der Jahresbedarf geteilt durch die optimale Bestellmenge. Bei 2.400 Stück Jahresbedarf und 346 Stück je Bestellung sind das rund 6,9 Bestellungen im Jahr. Teilt man die Tage des Jahres durch diese Zahl, ergibt sich der Abstand zwischen zwei Bestellungen, hier rund 53 Tage. Die jährlichen Bestellkosten sind die Bestellhäufigkeit mal die Kosten je Bestellung.

Wie berechnet man die optimale Bestellmenge in Excel?

Mit der Funktion WURZEL: =WURZEL(2*B1*B2/B3), mit dem Jahresbedarf in B1, den Kosten je Bestellung in B2 und den Lagerkosten je Stück und Jahr in B3. Steht in B3 der Einstandspreis und in B4 der Lagerhaltungskostensatz in Prozent, lautet die Formel =WURZEL(200*B1*B2/(B3*B4)).