Blogartikel
Disposition im Getränkegroßhandel: Wetter, Fest und Aktion ohne Doppelzählung planen
Stadtfest, Handzettelaktion und 30 Grad in derselben Woche, und eine Woche später steht zu viel in der Halle. Dieser Artikel zeigt an einem Rechenbeispiel, wie Sie alle drei Treiber einplanen, ohne dieselbe Mehrnachfrage zweimal zu bestellen.

Die Disposition im Getränkegroßhandel muss in der Saison mehrere Treiber zugleich einpreisen. Dass sich die Treiber schwer auseinanderhalten lassen, zeigt schon der BV GFGH (2026) zum Bierabsatz im Juni: Ursache „dürfte weniger die Fußball-WM in Übersee gewesen sein, sondern vielmehr die außerordentlich warmen Temperaturen“, eine Vermutung, keine Messung. Dasselbe Problem steckt in jeder Vorjahreswoche, aus der ein Zuschlag stammt.
Ermitteln Sie jeden Zuschlag für Wetter, Fest oder Aktion gegen eine Vorjahreswoche, in der nur dieser eine Treiber anders war. Wer den Festzuschlag aus einer heißen Festwoche gegen eine normale Woche misst und den Hitzezuschlag dazuzählt, bestellt die Hitze zweimal, im Beispiel unten 940 statt 820 Kästen.
Disposition im Getränkegroßhandel: drei Treiber, drei Vorwarnzeiten
Ein Zuschlag ist die Menge, die über den normalen Wochenbedarf hinaus bestellt wird. Im Getränkegroßhandel kommen die drei wichtigsten Anlässe dafür zu sehr unterschiedlichen Zeitpunkten in die Planung:
Treiber | wann bekannt | wo in der Planung |
|---|---|---|
Aktion | wenn Lieferant oder Vertrieb sie meldet, oft Wochen vorher | früh |
Stadtfest, Volksfest | lange vorher im Kalender | früh |
Wetter | mit der Wetterprognose, wenige Tage vorher | bis zum Bestellschluss, soweit die Wiederbeschaffungszeit reicht; sonst früh als Reserve |
Dass alle drei zählen, belegt auch die Handelsforschung. Fildes, Ma und Kolassa (2022) nennen unter den Einflüssen auf den Filialabsatz „own or competitor promotions, weather, seasons and local events including for example, festivals“. Ab welcher Temperatur der Getränkeabsatz reagiert, zeigt der Artikel zur Wetterprognose im Getränkeabsatz.
Wie verhindert man doppelte Zuschläge für Wetter und Stadtfest?
Das Problem entsteht nicht beim Bestellen, sondern beim Herleiten der Zuschläge. Ein Rechenbeispiel zeigt, wo. Die Annahmen:
ein Pils, gerechnet in Kästen je Woche, alle Zahlen frei gewählt
Abverkauf aus dem eigenen Lager, ohne Streckengeschäft; Rücknahmen vom Fest zählen in der Festwoche, nicht in der Woche ihrer Buchung
die Zuschläge addieren sich, und der Aktionszuschlag aus einer Woche mit normalem Wetter wird auf die Festwoche übertragen
keine Fehlmenge in den Vorjahreswochen
alle Vorjahreswochen auf demselben Saison- und Trendniveau wie die geplante Woche, ohne Nachwirkung einer früheren Aktion
Vorjahreswoche | Kästen | Vergleichsbasis | Zuschlag |
|---|---|---|---|
Normalwoche | 400 | keine | Basis |
heiß, ohne Fest, ohne Aktion | 520 | Normalwoche | Hitze +120 |
Aktion, normales Wetter | 580 | Normalwoche | Aktion +180 |
Stadtfest, heiß, ohne Aktion | 640 | Normalwoche | Fest +240 (enthält Hitze) |
Stadtfest, heiß, ohne Aktion | 640 | heiße Woche | Fest +120 |
Die Spalte Vergleichsbasis entscheidet über den Zuschlag. Dieselbe Festwoche liefert 240 Kästen, wenn sie gegen die Normalwoche gemessen wird, und 120 Kästen gegen die heiße Woche ohne Fest. Beide Rechnungen sind arithmetisch richtig; falsch wird erst die Addition, wenn danach noch ein eigener Hitzezuschlag dazukommt.
Diesmal fallen Stadtfest, Aktion und Hitze in dieselbe Woche. Einzeln addiert ergibt das 400 + 240 + 180 + 120 = 940 Kästen. Der Festzuschlag von 240 stammt aber aus einer Woche, die auch heiß war, und enthält deshalb schon die 120 Kästen Hitze. Mit dem Festzuschlag gegen die heiße Woche gerechnet sind es 400 + 120 + 180 + 120 = 820 Kästen. Die Differenz von 120 Kästen ist die doppelt gezählte Hitze; unter diesen Annahmen liegt sie nach der Festwoche im Lager.
Die 820 Kästen sind ein vereinfachtes Rechenergebnis unter den genannten Annahmen, keine allgemeingültige Bestellmenge. Bestellt wird in zwei Schichten: 700 Kästen früh für Normalwoche, Fest und Aktion, die 120 Kästen Hitze erst bis zum Bestellschluss, wenn die Wetterprognose steht.
Eigene Darstellung. Links steckt der Hitzeanteil zweimal in der Säule, rechts einmal.
Die Prüffrage: Was war in der Vorjahreswoche außer dem Fest noch los?

Getränkedisposition: Wetter, Fest und Aktion in einer Planung zusammenführen
Drei Schritte verhindern die Doppelzählung: die Vorjahreswochen kennzeichnen, jeden Zuschlag gegen die passende Woche messen und die Bestellung in Schichten aufbauen. Die Reihenfolge ist kein Zufall. Ohne Kennzeichnung fehlt die Vergleichswoche, und ohne saubere Zuschläge verteilt auch die beste Schichtplanung nur die falschen Mengen über die Zeit.
Vorjahreswochen kennzeichnen
Bevor ein Zuschlag berechnet wird, gehört an jede Vorjahreswoche, was in ihr los war. Für die Saisonartikel reicht eine einfache Wochenliste mit fünf Spalten:
Fest oder Veranstaltung im Liefergebiet, mit Namen
Aktion, mit Artikel und Abnehmer, auch Aktionen auf Konkurrenzartikel im eigenen Sortiment
Wetter, mindestens heiß, normal oder verregnet
Fehlmenge, also Tage, an denen der Artikel nicht lieferbar war, auch in der Festwoche selbst
Streckengeschäft und Rücknahmen, die in dieser Woche gebucht wurden
Wer diese Liste einmal für die vergangene Saison anlegt, findet die Vergleichswochen danach schnell. Drei Buchungslagen verfälschen sonst den Zuschlag. Liefert die Brauerei direkt an den Festwirt, läuft die Menge nicht über das eigene Lager und gehört nicht in den Festzuschlag. Nimmt der Großhändler nicht verkaufte Ware vom Fest zurück, zählt die Rücknahme in der Festwoche; gebucht in der Folgewoche, sieht diese schwächer aus, als sie war. Und war der Artikel in einer heißen Woche oder in der Festwoche ausverkauft, ist der jeweilige Zuschlag zu niedrig. Wie man solche Fehlmengenwochen erkennt und korrigiert, zeigt der Artikel zur Stockout-Verzerrung in der Absatzhistorie.
Jeden Zuschlag gegen die passende Vergleichswoche messen
Eine Vergleichswoche ist die Vorjahreswoche, die sich von der Zuschlagswoche nur im gesuchten Treiber unterscheidet. Den Festzuschlag misst man also gegen eine heiße Woche ohne Fest, wenn die Festwoche heiß war, und den Aktionszuschlag gegen eine Woche mit ähnlichem Wetter.
Gibt es heiße Wochen ohne Fest, trennt die Rechnung oben beide Effekte, solange sich die Zuschläge addieren. Fiel das Fest aber in allen Vorjahren in eine Hitzewelle, fehlt der Festeffekt bei kühlem Wetter. Gab es auch kaum Hitze ohne Fest, lassen sich Fest und Hitze gar nicht trennen, auch nicht mit einem Ja-Nein-Merkmal für die Festwoche in einer Prognoserechnung. Hyndman und Athanasopoulos (2021) schreiben über stark zusammenhängende Einflussgrößen: „It will not be possible to separate the effects of these two predictors because they are highly correlated.“ Für dieselbe Kombination, also wieder Fest bei Hitze, reicht der gemeinsame Effekt. Für ein Fest bei kühlem Wetter braucht es zusätzliche Erfahrung: ein kühles Festjahr in einer längeren Historie oder ein anderes Fest im Liefergebiet.
Die Addition der Zuschläge ist selbst eine Vereinfachung. Fildes u. a. halten es für möglich, dass schon die Temperatur nicht gleichmäßig wirkt: „Weather effects may well be non-linear.“ Ebenso möglich, aber nicht belegt ist, dass Hitze an einem Open-Air-Fest stärker wirkt als in einer gewöhnlichen heißen Woche. Wer dafür eigene Daten hat, rechnet mit ihnen statt mit der Summe.
In Schichten planen
Aktion und Fest stehen Wochen vorher fest und gehören in die reguläre Planungsrunde; wie oft diese Runde stattfinden muss, damit eine Meldung rechtzeitig wirkt, zeigt der Artikel zur rollierenden Absatzplanung. Den Hitzezuschlag erst zum Bestellschluss festzulegen, funktioniert nur, wenn Wiederbeschaffungszeit und Lieferfähigkeit der Brauerei das zulassen. Die Wiederbeschaffungszeit ist die Zeit von der Bestellung bis zur Ware im Lager. Ist sie länger als die verlässliche Wetterprognose, wird die Hitzemenge früh als Reserve eingeplant oder als Szenario mit dem Lieferanten abgestimmt.
Nach der Aktion muss die Folgewoche nicht automatisch niedriger geplant werden. Kunden kaufen bei Aktionen zwar früher oder mehr, und van Heerde, Leeflang und Wittink (2000) zeigen für den Einzelhandel, dass Dellen danach vorkommen, aber „difficult to detect“ sind, auch beim Blick in die Daten. Prüfen Sie deshalb die Folgewochen früherer Aktionen gezielt gegen eine vergleichbare Woche, bevor Sie die Folgewoche senken oder unverändert planen. Wie sich der Verlauf einer Aktion in der Prognose abbilden lässt, zeigt der Artikel zu Aktionen in der Absatzprognose.
Disposition im Getränkegroßhandel mit Circly: was die Prognose kennt und was der Disponent hinterlegt
Mit Circly Bestellvorschläge stellt sich die Frage nach doppelten Zuschlägen in zwei Fällen unterschiedlich. Historisch erkennbare Muster rechnet die Prognose selbst: KI-generierte Absatzprognosen auf Artikelebene, die Saisonalität, Trends, Kalendereffekte, Feiertage und Aktionen automatisch einbeziehen, ohne manuelle Datenpflege. Für neue Einzelereignisse gilt: „Aktionen und Sonderereignisse können manuell hinterlegt werden und fließen direkt ins Modell ein.“ Gemeint sind Ereignisse, die das Modell aus der Historie noch nicht kennt, etwa eine neue Handelsaktion.
Daraus folgt für die Praxis: Was als Aktion oder Sonderereignis hinterlegt ist, fließt ins Modell und damit in den Bestellvorschlag ein. Ein zusätzlicher Zuschlag von Hand auf denselben Anlass wäre wieder eine Doppelzählung. Übertragen auf das Beispiel gilt dieselbe Prüffrage auch für den Vorschlag: Waren frühere Festwochen heiß, kann der Effekt eines hinterlegten Fests die Hitze schon enthalten. Ein Hitzezuschlag kommt nur auf das, was der Vorschlag nicht schon zeigt. Was der Disponent zusätzlich weiß, etwa eine Hitzeprognose kurz vor dem Bestellschluss, bringt er beim Prüfen ein: „Der Disponent prüft die Vorschläge, passt Mengen bei Bedarf an und gibt sie frei.“ Es bleibt dabei: Human in the Loop: Circly schlägt vor, der Disponent entscheidet. Keine Bestellung ohne ausdrückliche Bestätigung.
Fazit
Doppelte Zuschläge entstehen, bevor die erste Bestellung geschrieben ist, nämlich beim Herleiten aus Vorjahreswochen. Wenn die Vorjahreswochen gekennzeichnet sind, lässt sich jeder Zuschlag gegen die Woche messen, in der nur sein Treiber anders war; wo Fest und Hitze immer zusammen lagen, gilt ihr gemeinsamer Effekt nur für dieselbe Kombination. Erst dann lohnt die Bestellung in Schichten: Fest und Aktion in die reguläre Runde, die Hitze bis zum Bestellschluss, soweit die Wiederbeschaffungszeit es zulässt.
Weiterführende Quellen
FAQ
Wie viel mehr bestellt man für ein Stadtfest?
Das hängt vom eigenen Liefergebiet ab und lässt sich nur aus den eigenen Vorjahreswochen ableiten. Entscheidend ist, wogegen der Festzuschlag gemessen wird: War die Festwoche im Vorjahr heiß, gehört eine heiße Woche ohne Fest als Vergleich dazu, sonst enthält der Festzuschlag die Hitze schon.
Wie erkennt man, ob ein Zuschlag doppelt zählt?
Indem man für jede Vorjahreswoche notiert, was außer dem gesuchten Treiber noch los war. Lagen in der Woche, aus der ein Zuschlag stammt, mehrere Treiber zusammen, wurde der Zuschlag gegen eine Woche ohne diese anderen Treiber gemessen, und wird für einen davon zusätzlich ein eigener Zuschlag addiert, zählt dieser Anteil doppelt.
Wann berücksichtigt man die Wetterprognose in der Bestellung?
So spät wie möglich, aber nur, solange die Wiederbeschaffungszeit es zulässt: bis zum letzten Bestellschluss, mit dem die Ware noch rechtzeitig ins Lager kommt. Ist die Wiederbeschaffungszeit länger als die verlässliche Wetterprognose, wird die Hitzemenge früher als Reserve oder Szenario eingeplant.
Muss man nach einer Aktion weniger bestellen?
Nicht automatisch. Kunden kaufen bei Aktionen teils früher oder auf Vorrat, eine Delle in der Folgewoche ist aber schwer zu erkennen. Vergleichen Sie die Folgewochen früherer Aktionen mit vergleichbaren Wochen ohne Aktion und senken Sie nur, wenn sich dort eine Delle zeigt.

