Case Studies
Egger Getränke: Wie ein KI-gestützter Forecast die Absatzplanung absichert
Über 400 Artikel, von Bier über Limonaden und Energy Drinks bis Wein, und kaum ein Artikel, der länger als einen Monat im Lager stehen darf. Für Egger Getränke ist die Absatzplanung kein Nebenschauplatz, sondern der Ausgangspunkt der gesamten Supply Chain. Diese Case Study zeigt, wie der österreichische Getränkehersteller die KI-gestützte Forecasting-Lösung von Circly in seinen bestehenden Vertriebsprozess eingebunden hat und warum der CFO Patrik Berger-Witzany darin vor allem ein Instrument der Qualitätssicherung sieht.

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Das Unternehmen
Egger Getränke ist ein mittelständischer Getränkehersteller in Familienbesitz und zählt zu den führenden Getränkeunternehmen Österreichs. Die Wurzeln der Privatbrauerei reichen bis ins Jahr 1675 zurück; der heutige Produktionsstandort in St. Pölten, rund 60 Kilometer westlich von Wien, wurde 1978 errichtet und seither kontinuierlich erweitert. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und füllt jährlich etwa 300 Millionen Getränke ab.
Das Sortiment ist breit. Unter Marken wie Egger, Radlberger und Granny's sowie im Geschäft mit Handelsmarken und Lohnabfüllung produziert das Unternehmen Getränke nahezu aller Kategorien: verschiedene Biersorten, alkoholfreies Bier, Limonaden, Energy Drinks, Eistees, Säfte, Sport- und Wellnessgetränke bis hin zu Wein. Gefüllt wird in PET, Dosen, Glas und KEG, auf sieben Produktionsanlagen. Egger ist international tätig und beliefert Märkte über Österreich hinaus.
Die Herausforderung: ein breites Sortiment auf engem Lagerraum
Die Vielfalt, die Egger im Markt stark macht, ist in der Planung die zentrale Schwierigkeit. Über 400 Artikel im Sortiment treffen auf begrenzte Lagerflächen. Anders als bei Herstellern mit schmalem Programm lässt sich kaum ein Artikel länger als einen Monat bevorraten. Die Konsequenz ist ein hoher Planungsdruck: Die Fülle an Artikeln muss mit dem verfügbaren Lagerraum in Einklang gebracht werden, und das Monat für Monat neu.
Erschwerend kommt die Marktdynamik hinzu. Der Getränkemarkt, und der Biermarkt im Besonderen, lebt stark von den Aktionen des Lebensmittelhandels. Eine Promotion kann den Absatz eines Artikels für wenige Wochen vervielfachen und danach wieder einbrechen lassen. Für einen Hersteller bedeutet das: Die Prognose dieser Schwankungen ist nicht eine von vielen Aufgaben, sondern die entscheidende. Genau hier setzt der Begriff Forecasting an, also die systematische Vorausschätzung des künftigen Absatzes auf Artikelebene.
Bei Egger hat dieser Forecast eine besondere Tragweite. Die gesamte Produktion ist vom Vertriebsforecast abgeleitet. Was der Vertrieb an Absatz erwartet, bildet den Grundstein für die gesamte Supply-Chain-Planung, also für die Planung der Beschaffung, Produktion und Lagerung entlang der kompletten Lieferkette. Ein ungenauer Forecast pflanzt sich damit durch alle nachgelagerten Prozesse fort. Die Qualität der Absatzprognose entscheidet über die Qualität der gesamten Planung.

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Der Ansatz: KI in den bestehenden Prozess einbinden, nicht daneben
Egger setzt die KI-gestützte Software von Circly weit vorne im Planungsprozess ein, dort, wo der Forecast entsteht. Entscheidend war dabei eine bewusste Designentscheidung: Die Software sollte nicht generisch als eigenständiges Werkzeug neben dem Vertrieb laufen, sondern in die bestehenden Prozesse eingebunden werden. Nicht der Prozess passt sich der Software an, sondern die Software fügt sich in den etablierten Ablauf ein.
Konkret sieht das so aus: Der Vertrieb erstellt wie gewohnt monatlich seinen Forecast. Die künstliche Intelligenz von Circly prüft diesen Forecast, indem sie eine eigene, datenbasierte Prognose dagegenstellt. Der Vertrieb bekommt den Vorschlag der KI in seiner gewohnten Arbeitsumgebung präsentiert, nicht in einem separaten System, das erst erlernt und zusätzlich bedient werden müsste. Die KI tritt damit nicht als Ersatz des Key Account Managers auf, also der Person, die einen Großkunden betreut und dessen Absatz einschätzt, sondern als zweite Meinung zu dessen Einschätzung.
Dieser Aufbau verändert die Rolle der KI. Sie ist kein Automat, der den Menschen übergeht, sondern ein Korrektiv, das die menschliche Einschätzung prüft. Im Normalfall liegt die KI-Prognose nicht weit vom Vertriebsforecast entfernt. Genau diese Nähe macht sie nach Einschätzung des Unternehmens zu einem wirksamen Instrument der Qualitätssicherung: Stimmen beide Werte weitgehend überein, bestätigt das die Vertriebsplanung. Weichen sie deutlich voneinander ab, ist das ein Signal, an dieser Stelle genauer hinzusehen.
Die Forecast Accuracy der KI ist im Normalfall ähnlich zu der, die der Key Account Manager hatte, natürlich aber viel weniger Zeitressourcen einfließen müssen.
Patrik Berger-Witzany
CFO, Egger Getränke
Foto: youtube.com/@circlygmbh
Das Ergebnis: vergleichbare Genauigkeit bei deutlich weniger Aufwand
Der für Egger zentrale Effekt liegt besonders im Verhältnis von Ergebnis und Aufwand. Die Forecast Accuracy der KI, also die Treffergenauigkeit der Prognose im Abgleich mit dem späteren tatsächlichen Absatz, ist nach Darstellung von Patrik Berger-Witzany im Normalfall ähnlich hoch wie jene, die der Key Account Manager zuvor manuell erreicht hat. Der Unterschied liegt im Ressourceneinsatz: Für ein vergleichbares Ergebnis fließt deutlich weniger Zeit in die Erstellung des Forecasts.
Das ist der eigentliche wirtschaftliche Hebel. Wenn eine vergleichbare Prognosequalität mit weniger manuellem Aufwand erreichbar ist, wird Planungskapazität frei, die an anderer Stelle gebraucht wird. Die KI nimmt nicht die Entscheidung ab, aber sie reduziert den Aufwand, der nötig ist, um zu einer belastbaren Entscheidung zu kommen.
Neben dem Produkt hebt der CFO die Zusammenarbeit hervor. Circly habe das Projekt proaktiv begleitet, von der ersten Projektplanung bis hin zur Abwicklung möglicher Förderungen, und sei durchgehend ansprechbar gewesen. Hinzu komme eine hohe Fach- und Branchenkenntnis aufseiten von Circly, die den Austausch auf Augenhöhe ermöglicht habe. Für einen mittelständischen Hersteller, der keine eigene Data-Science-Abteilung unterhält, ist diese Begleitung ein eigenständiger Wert neben der Software selbst.
Auf einen Blick
Egger Getränke, ein mittelständischer Getränkehersteller in Familienbesitz mit über 400 Artikeln im Sortiment, hat die KI-gestützte Forecasting-Lösung von Circly in seinen bestehenden monatlichen Vertriebsprozess eingebunden. Die KI prüft den Vertriebsforecast, indem sie eine eigene Prognose dagegenstellt, und dient so als Instrument der Qualitätssicherung. Das Ergebnis ist nach Darstellung des Unternehmens eine zur bisherigen manuellen Planung vergleichbare Prognosegenauigkeit bei deutlich geringerem Zeitaufwand, sowie eine Begleitung durch Circly, die von der Projektplanung bis zur Förderabwicklung reichte.


